Historisches Stellwerk 1 Schelklingen
Stellwerke und Eisenbahn in Schelklingen

Das Stellwerk 1

Historische Aufnahme eines Postkartenverlags, um 1910 (Aufnahme: Stadtarchiv Schelklingen)

Die oben abgebildete Aufnahme zeigt von links nach rechts einen Teil der Bahnhofsanlage Schelklingen: Den Güterschuppen mit der Laderampe, die Bahnhofsgaststätte, das Empfangsgebäude, das heutige Rangierergebäude, dahinter das ehemalige Eisenbahnerwohnhaus, gefolgt vom Stellwerk 1. Oberhalb des Rangierergebäudes ist an der Straße ein weiteres Eisenbahnerwohnhaus zu sehen. Hinter dem Stellwerk 1 sind die Eisenbahnergärten zu sehen.

Beim Stellwerk 1 und Stellwerk 2 handelt es sich von der Architektur um ein sogenanntes "Württembergisches Stellwerk". Diese Bauform ist beispielsweise auch in Ulm am Güterbahnhof, in Allmendingen oder auch in Sigmaringen zu finden. Die beiden Gebäude in Schelklingen wurden im Zuge der Erweiterung der Bahnhofsanlage in Schelklingen durch den Bau der Nebenbahn nach Münsingen 1901 erbaut.
Stellwerksbauten fallen in ganz Deutschland vom Baustil her unterschiedlich aus. Die württembergische Bauform entwickelte sich um 1890/1900 als Stellwerke mit Seilzügen Einzug in der technischen Sicherung von Bahnhöfen fanden. Die turmartige Bauweise wurde verwendet, um dem "Stellwerker" eine bessere Übersicht über seinen einzusehenden Stellwerksbezirk zu ermöglichen.

Nach dem Bauplan wurde das Stellwerk 1 bereits 1899 geplant. Der Bau dürfte bereits 1900 erfolgt sein, so daß der östliche Bahnhofskopf in Richtung Blaubeuren wohl schon 1900 in Betrieb gegangen sein dürfte. Ein Jahr später wurde dann das Stellwerk 2 erbaut und auch der westliche Bahnhofskopf mit der Eröffnung der Nebenbahn in Betrieb genommen.

 

















Die gemalte Karte zeigt den Bereich des Stellwerks 1. Ein schöner Blick auf den Ort Schelklingen. Die Karte dürfte um 1900 herum entstanden sein (Quelle: Stadtarchiv Schelklingen)

 

Paul Seitz, Weichenwärter in Schelklingen
von 1934 - 1951
























Da das Stellwerk bereits stillgelegt ist und es vom Ende des Bahnsteiges 1 sehr gut zugänglich ist, besteht für Besucher die Möglichkeit, das Stellwerk zu besichtigen und selbst einmal Hand an die Hebel zu legen, die früher nur vom Bahnpersonal bedient werden durften.

Das Stw1 war für die Bedienung der Weichen, Riegel und Signale für den Streckenabschnitt vom Bahnhofsgebäude in Richtung Blaubeuren zuständig. Ebenso wurde die Bedienung des Blocks in Richtung Blaubeuren vom Stw1 aus bedient. Offiziell ging der Zuständigkeitsbezirk (auch Fahrwegprüfbezirk) des Wärterstellwerks vom Einfahrsignal A bis zur Höhe des Westgiebels des Empfangsgebäudes. Das Stellwerk 2 war für die Bedienung der Weichen, Riegel und Signale für die Strecken in Richtung Allmendingen und Hütten (Oberheutal) zuständig.

Am 12. Mai 1992 erfolgte die letzte regelmäßige Prüfung aller Signalmittel auf dem Stellwerk. Diese wurde mit "In Ordnung" bestätigt. Am 4. April des selben Jahres wurde letztmalig für einen Weichenwärter die Prüfung auf dem Stellwerk 1 abgenommen. Der Prüfling hat "Bestanden".

Zum 20. Mai 1992 erfolgte die Umschaltung des Streckenblocks in Richtung Blaubeuren. Der Streckenblock des Stw1 wurde außer Betrieb genommen, die Rückmeldung der Züge war bis zur vollständigen Umschaltung auf das neue Drucktastenstellwerk erforderlich. Am 25. Mai 1992 wurde dann die gesamte Stellwerksanlage des Bahnhofs Schelklingen, bestehend aus Stellwerk 1, der Befehlsstelle und dem Stellwerk 2 außer Betrieb genommen. Die Funktion wurde durch das neue Stellwerk übernommen.

Die sogenannte Hebelbank sowie die übrigen technischen Einrichtungen des Stellwerks 1 wurden seinerzeit nicht ausgebaut. Dadurch, das heute keine Verbindung mehr zu den Weichen und Signalen über die Drahtzugleitungen  besteht, eignet sich das Stellwerk als Demonstrationsobjekt für die Funktionsweise von mechanischen Stellwerken. 

Die im Gebäude enthaltene technische Einrichtung wurde 1901 von der Maschinenfabrik Esslingen gebaut. Bei der Bauform handelt es sich um die so genannte Bauart "Bruchsal G", von der nur noch sehr wenige in Deutschland vorzufinden sind.
























Ausfahrsignale am Stellwerk 1: 01.12.1975, 050 419 rangiert (Aufnahme: David Hruza, Bad Waldsee)






















Ausfahrt am Stellwerk 1: 21.10.1975, 050 353 mit 65457 nach Ulm (Aufnahme: David Hruza, Bad Waldsee)

























Eine Lok der Baureihe 215 am östlichen Bahnhofskopf, die Aufnahme entstand um 1980/85 und zeigt die Ausfahrt eines Stückgut-Güterzuges von Gleis 2 (Aufnahme: Winfried Hanold, Ulm)
























April 1986: Einfahrt eines Zuges am Stellwerk 1 (Aufnahme: Harald Bosch, Laupheim)























Das Stellwerk 1 in Aktion, 1991 (Aufnahme: Ralf Berger, Schwendi)

Die Hebelbank im Stellwerk 1, 1991 (Aufnahme: Ralf Berger, Schwendi)

Blick auf die Fahrstraßenhebel, an der Wand dahinter die Halt- und Fahrtanzeiger, 1991 (Aufnahme: Ralf Berger, Schwendi)





























Zug N 6422 mit 215 095-1 Richtung Ehingen am Stellwerk 1, 28.12.1991 (Aufnahme: Ralf Berger, Schwendi)

Zug N 6425 Richtung Ulm am Stellwerk 1, 28.12.1991 (Aufnahme: Ralf Berger, Schwendi)

Die letzte Schicht auf dem Stw1, 25.05.1992 (Aufnahme: Georg Renz, Schelklingen)

Die letzten Betriebsstunden auf Stellwerk 1, 25.05.1992 (Aufnahme: Georg Renz, Schelklingen)

Das Stellwerk trägt Trauer, am Stillegungstag ziert ein Banner mit der Aufschrift "Der Zug ist raus, wir gehen nach Haus" das Stellwerk, 25.05.1992 (Aufnahme: Georg Renz, Schelklingen)


























 

Bereits am nächsten Tag beginnen die Demontagearbeiten der alten mechanischen Signale, 26.05.1992 (Aufnahme: Georg Renz, Schelklingen)




























Demontagearbeiten an den Ausfahrsignalen des Stellwerks 1, 26.05.1992 (Aufnahme: Georg Renz, Schelklingen)



















































Erster Betriebstag "elektrisch", 26.05.1992, die Formsignale haben ihre Flügel verloren und das Stellwerk 1 trägt noch Trauerbeflaggung (Aufnahme: Georg Renz, Schelklingen)
























Schneepflug an der östlichen Ausfahrt des Bahnhofs Schelklingen, 09.12.1998 (Aufnahme: unbekannt)
 


























Einfahrt des "Ulmer Spatz" in Schelklingen, Mai 2010 
























Die aktuelle Übersichtsaufnahme vom März 2011 zeigt von links nach rechts: Die ehemalige Bahnhofsgaststätte, heute Kleinkunstkneipe "Stellwerk", darüber das ehemalige Eisenbahnerwohnhaus, dann das Empfangsgebäude, das Gebäude der Rangierer und das Stellwerk 1, auf Gleis 2 RB 22358 nach Ehingen (Donau)

Es verkehren auch moderne Fahrzeuge, hier eine Doppeltraktion 650, geführt von 650 326-2, Mai 2011

























Das Stellwerk 1 aus der Sicht des Triebfahrzeugführers, Mai 2011

17. Juni 2011 - Der "Dreckzug" aus München kommt in Schelklingen an...

... und kurz darauf kommt noch eine Stopfmaschine vorbei, 17.06.2011

"Einmal Hilfszug dringlich" mit 218 491-9, so gesehen am 2. Juli 2011






















RE 22330 als Ferien-Radexpress nach Immendingen, 3x650, geführt von 650 113 am 01.08.2011 

MAN-Schienenbus VT 8 der SAB beim Umsetzen auf Gleis 1 am Stellwerk 1, Oktober 2011

Das Stellwerk 1 im Oktober 2011, RB von Ehingen nach Ulm, 650 006 führend

























Winterliches Stellwerk, Ende Oktober 2012

























Das Stellwerk im November 2012, ein kleines Formsignal hat sich dazugesellt
























Das Stellwerk von der anderen Seite des Bahnhofs, Dezember 2012
























Blick auf das Stellwerk 1 aus einem vorbeifahrenden Sonderzug, August 2013
























Das Stellwerk 1 im August 2013


Bitte beachten Sie: Eine Besichtigung des Stellwerks ist nur an den offiziellen Öffnungstagen oder nach vorheriger Terminabsprache möglich. Das Stellwerk darf ohne offizielle Begleitung und Absperrung zu den Gleisanlagen hin auf Grund seiner Nähe am Gleis 1 nicht betreten werden! Außerhalb der Öffnungstage ist ein Zutritt auf das Gelände nicht gestattet!

Aus aktuellem Anlass möchten wir nochmals darauf hinweisen, dass das Überschreiten der Gleise nicht gestattet ist! Der nachfolgende Informationsfilm der Deutschen Bahn weist nochmals auf die Gefahren des Eisenbahnverkehrs hin:



Der Film wurde mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Bahn AG eingestellt.